Rückblick ÖkoPlus-Branchentag 2026
ÖkoPlus Jubiläumsfeier und Branchentag Naturbau mit Zukunftsthemen
Die Jubiläumsfeier und der ÖkoPlus-Branchentag gingen viel zu schnell vorbei. Eine unterhaltsam moderierte Fotoshow zeigte die vielfältigen Aktivitäten der letzten 30 Jahre und machte auch ein wenig stolz auf das Erreichte. Inspirierende Vorträge und Workshops zu Zukunftsthemen richteten den Blick nach vorne. Diese Kombination von alt und neu in Verbindung mit strahlendem Sonnenschein und grünem Schlosspark sorgten für gute Stimmung und regen Austausch.
Hier erfahren Sie mehr über das Programm und die Teilnehmer …
Inspirierende Impulse auf dem ÖkoPlus-Branchentag 2026 in Fulda
Lag es am schönen Wetter, an der zauberhaften Location, den inspirierenden Zukunftsthemen, der 30-Jahr-Feier oder an der bunten Mischung der Teilnehmer aus Ehemaligen, langjährigen Partnern und neuen Mitgliedern? Vielleicht war es einfach eine Kombination aus allem, die der Veranstaltung einen ganz besonderen Spirit eingehaucht hat.
Die Fotos oben vermitteln einen guten Eindruck von der besonderen Stimmung und dem vielfältigen Programm
Spannende Vorträge zu den Innovationen im Naturbau-Sektor
Wie wird sich die Naturbau-Branche weiterentwickeln – und wie können das die ÖkoPlus-Händler für sich nutzen? Zu diesen Themen gab ein einige spannende Vorträge mit interessanten Denkanstößen. Den Anfang machte Holger König, einer der prägenden Akteure in der Szene.
Holger König zur Entwicklung der Naturbau-Branche
Es gibt wenige Menschen, die sich so lange und intensiv in der Naturbau-Branche engagieren wie Holger König. Zum Einstieg beschrieb er die Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte von der Aufbruchszeit in den 1970er Jahren bis heute. Der eher parawissenschaftliche Ansatz aus den Anfangszeiten hat sich über mehrere Stufen zu strukturierten Prozessen und datenbasierten Zertifizierungen entwickelt.
Das wurde auch bei seinem privaten Hausbauprojekt deutlich. Bauen ist dadurch nicht einfacher geworden. Er benötigte dazu 29 Pläne mit Berechnungen und eine Vielzahl von weiteren Experten. Einige theoretische Ansätze wie das Recycling von Baustoffen sieht er inzwischen kritisch. So war der Wunsch nach Wiederverwendbarkeit von Materialien nicht wirklich umsetzbar, weil sie in der Praxis eben doch nicht so einfach ab- und ausbaubar sind und weil niemand diese Baustoffe haben wollte.
Es gibt aber auch positive Aspekte. Durch die strengen EU-Vorgaben zur CO2-Reduzierung können konventionelle Gebäude zukünftig die Auflagen in der Ökobilanz nicht mehr so einfach durch den Einbau einer PV-Anlage erfüllen. Daher ist zu erwarten, dass bald mehr Gebäude aus nachwachsenden Baustoffen wie Holz oder Stroh gebaut werden müssen.
Michael Wolf zum Schallschutz – und wie man dabei Geld sparen kann
Effektiver Schallschutz ist auch mit Naturmaterialien wie Holz (Pappe) und Sand möglich. Das ist nicht neu. Um Naturbaustoffe breiter zu vermarkten, hat sich Micheal Wolf die Auswahlkriterien für Bauteile angesehen. Ein wichtiger Aspekt ist oft der Preis. Interessant ist, dass der Trocken-Estrich von Wolf Bavaria im Vergleich zum konventionellen Nass-Estrich besser abschneidet, wenn man die versteckten Kosten wie Aufheizkosten und Trocknungszeit (mit Mietausfall) berücksichtigt.
Ein weiteres Beispiel ist die schmälere One-Frame-Wall für den Trockenbau. Damit spart man nicht nur Platz, sondern auch Material und Arbeitszeit durch die serielle Vorfertigung.
Hanfingenieur Henrik Pauli – Wie Hanf und Kalk das Bauen revolutionieren
Der schnell nachwachsende Rohstoff Hanf wird zusammen mit Kalk zu einen vielfältigen Naturbaustoff. Zum Einsatz kommt er aktuell beim Neubau von Holzhäusern und bei der Sanierung z. B. von Fachwerkhäusern. Man kann Hanf stampfen, mauern, aber auch mit einer speziellen Maschine sprühen – und das ist neu.
Die Wände eines Fachwerkhaues mit drei Etagen konnten bei einem Projekt vom Hanfingenieur Henrik Pauli auf diese Weise in vier Tagen fertiggestellt werden. Dadurch ist es zukünftig möglich, auch größere Sanierungsvorhaben schneller umzusetzen, sodass sie dann auch für Handwerksbetriebe skalierbar und zukunftsfähig sind.
Dirk Scharmer zur Weiterentwicklung des Strohbaus
Der Strohbau tritt aus der Nische und wird laut Architekt Dirk Scharmer erwachsen. Die Zulassungen geben den Planern und Bauherren Sicherheit. Inzwischen gibt es Einfamilienhäuser, aber auch mehrgeschossige Wohn- und Gewerbebauten aus Stroh. Das theoretische Baupotenzial von Stroh ist riesig. Bis zu 1,1 Mio. Wohnungen könnten damit pro Jahr gebaut werden. In Bayern gibt es dafür sogar Fördergelder für biogen gespeicherter Kohlenstoff.
Die Neuheit beim Strohbau liegt auch hier in der besseren Planung und schnelleren Verarbeitung von vorgefertigten Strohmodulen. Damit wird Strohbau einfacher und schneller. Für die ÖkoPlus-Händler ergeben sich daraus neue Vertriebsmöglichkeiten – von der Beratung und dem Verkauf der Module bis hin zur Umsetzung eigener Projekte. Ein interessantes Modell und ein großer Schritt in Richtung Bauwende könnte das kleine förderfähige Mehrfamilienhaus für den sozialen Wohnungsbau sein.
Weitere Vorträge zur Innendämmung und zu Holzschutz auf Pilzbasis
Laut Anatol Worch vom Fachverband Innendämmung braucht keiner Angst vor Innendämmung haben, wenn er die Risiken bewertet und entsprechenden Maßnahmen einplant. In vielen Fällen ist Tauwasser ein geringeres Problem als angenommen, während der Einfluss von Schlagregen häufig unterschätzt wird.
Martina Fries stellte ein neues Holzschutzprodukt auf Pilzbasis vor, das wasserabweisend ist und einen natürlichen Schutz vor UV-Strahlung bietet. Erste Referenzprojekte wie das Gesundheitszentrum Da Costa belegen seit 2016 die Wirksamkeit. Ganz wartungsfrei ist das System aber nicht: Der Pilz muss alle 3-4 Jahre mit Leinöl „gefüttert“ werden, um den Schutz aufrecht zu halten.
Wechsel im Aufsichtsrat von ÖkoPlus – der Name Katharina bleibt
Abschied von Katharina Opgenorth-Brand
Man sieht es ihr nicht an, aber Katharina Opgenorth-Brand ist schon ein richtig „alter Hase“ bei ÖkoPlus. Bereits 2009 war sie Gründungsmitglied des Juniorenkreises von ÖkoPlus – und später sorgte sie mit viel Energie und Leidenschaft im Aufsichtsrat dafür, dass der Fachhandelsverbund Antworten auf neuen Herausforderungen findet und sich zukunftsfähig aufstellt.
Durch die Übernahme des elterlichen Geschäfts waren die letzten Jahre für sie herausfordernd – und werden es auch noch eine Weile bleiben. Die Zeit reichte nicht mehr, die vielen Ideen für ÖkoPlus weiterzuentwickeln und umzusetzen. Daher entschied sie sich schweren Herzens, das Aufsichtsratsamt abzugeben. Als engagiertes ÖkoPlus-Mitglied und als mitreißender Mensch bleibt sie uns glücklicherweise weiter erhalten.

Der ÖkoPlus-Vorstand Ulrich Steinmeyer bedankt sich bei Katharina Opgenorth-Brand für ihr langjähriges Engagement im Aufsichtsrat von ÖkoPlus
Katharina von der Heyde wechselt vom Beirat in den Aufsichtsrat von ÖkoPlus
Die Nachfolgerin steht bereits fest und heißt übrigens auch Katharina – wenngleich das kein Auswahlkriterium war. Sie ist Geschäftsführerin vom Bauhof Wohnimpuls in Bremen und ihr vollständiger Name lautet Katharina von der Heyde. Als Beirätin ist sie bereits in der ÖkoPlus-Organisation aktiv und hat in den letzten zwei Jahren schon einige wertvolle Impulse für den Fachhandelsverbund gesetzt.

Katharina von der Heyde (rechts) übernimmt das Aufsichtsrats-Amt von Katharina Opgenorth-Brand (links)
Austausch und Weiterentwicklung auf dem ÖkoPlus-Branchentag
Trotz umfangreichem Programm gab es für Händler, Hersteller, Ehemalige, Verbände und Freunde sehr viel Raum für Austausch in den Pausen, beim Essen und auch bei den Workshops zu den zukünftigen Geschäftsmodellen für ÖkoPlus.
Dafür wurden vorher ausgewählte Themen bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse des Schlosshotels konkretisiert und im Anschluss dem gesamten Plenum vorgestellt. Im nächsten Schritt folgte die Priorisierung der Themen auf Basis einer Abstimmung. Daraus ergab sich die folgende Reihenfolge:
- 1. Bauberatung
- 2. Bauteile-Lösung und
- 2. Produkt-Scouting
- 3. Haus der Zukunft
- 4. Wärmepumpe
30 Jahre ÖkoPlus – ein Grund zum Feiern
Wer von den Gründern hätte das gedacht? ÖkoPlus wird 30 – während andere, größere Verbände schon lange von der Bildfläche verschwunden sind. Unser Dank gilt daher allen engagierten Mitstreitern, die dazu beigetragen haben, dass wir heute so gut aufgestellt sind.
Ganz besonders freute uns, dass die ehemaligen ÖkoPlus-Vorstände Holger König und Horst Kliebe sowie der frühere Aufsichtsratschef Rainer Hermann gekommen waren – und uns mit vielen interessanten und amüsanten Geschichten beglückt haben.
Damit alle Gäste noch einmal in die Anfänge und die verschiedenen Phasen der ÖkoPlus-Historie eintauchen konnten, gab es eine kurzweilige und sehr unterhaltsame Fotoshow von Ellen Fischer, Rainer Hermann und Theo Opgenorth. Dabei wurde deutlich, dass es neben dem wirtschaftlichen Auf und Ab der Branche bei ÖkoPlus immer genügend Raum gab für neue Ideen, Schulungen, Weiterentwicklung und ganz viel Spaß bei Ausflügen und beim Feiern.

Das Thema Feiern wurde im Anschluss mit Hilfe von DJ Mirco Sontheimer von Beeck‘sche Farbwerke auch gleich in die Tat umgesetzt.

Ein paar Impressionen vom Sektempfang und gut gelaunten Gästen auf der Terrasse des Schlosshotels Fulda.