04.10.2018 Naturdämmstoffe – Fakten statt Vorurteile Teil 1

Naturdämmstoffe – Fakten statt Vorurteile Teil 1

Naturdämmstoffe – energetisches Sanieren der Zukunft?

Wer sein Haus energetisch sanieren will, um damit die Energiekosten zu verringern, der hat die Qual der Wahl. Viele Fragen schwirren im Kopf.




Soll man Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) tatsächlich nutzen? Ist der Kunststoffschaum aus Polystyrol wirklich „schwer entflammbar“? Können WDVS Platten überhaupt recycelt werden? Wie sicher sind die Flammschutzmittel, die die Brennbarkeit verringern sollen? Entstehen bei einem Brand nicht sehr viele giftige Dämpfe?

Wer etwas in die Materie einsteigt bemerkt, dass die Nutzung von Polystyrolplatten als Wärmedämmung kontrovers diskutiert wird.


Sind Naturdämmstoffe also besser?

Oft werden Naturdämmstoffe wie Holz, Zellulose, Schafwolle oder Jute als teure Nischenprodukte dargestellt. Dieses negative Image hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung verbreitet. Der folgende Blogartikel stellt die häufigsten Vorurteile gegenüber Naturbaustoffen zusammen und entkräftet diese.


Unter dem Begriff „Naturdämmstoffe“ werden Dämmstoffe aus Materialien pflanzlicher, tierischer und mineralischer Herkunft zusammengefasst. Dämmprodukte aus pflanzlichen und tierischen Materialien werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Deshalb werden sie manchmal auch als „nachwachsende Dämmstoffe“ bezeichnet. Natürlich enthalten einige dieser Produkte in der Praxis synthetische Zusatzstoffe. Zum Beispiel um sie vor Brand, Feuchtigkeit oder Schädlingen zu schützen. Ein Dämmstoff kann dennoch als „natürlicher Dämmstoff“ bezeichnet werden, wenn synthetische Zusätze nicht mehr als 25 % des Materialanteils ausmachen 1.


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1. Vorurteil: Naturdämmstoffe haben eine schlechte Dämmwirkung

Das Wichtigste bei der Auswahl eine Dämmstoffes ist die wärmedämmende Wirkung. Die Eigenschaft eines Materials, die die Dämmwirkung bestimmt, ist die sogenannte Wärmeleitfähigkeit (siehe Abb.1). Je weniger Wärme ein Material leitet, umso besser. Eine geringe Wärmeleitfähigkeit ist also gut!

Wärmeleitfähigkeiten unter 0,05 W/(mK) garantieren eine gute wärmedämmende Wirkung.

Eine besonders niedrige Wärmeleitfähigkeit ist dann ein Vorteil, wenn die Dicke des Materials begrenzt ist. Zum Beispiel aus ästhetischen Gründen. Wie im untenstehenden Bild sichtbar wird, ist die Wärmeleitfähigkeit von vielen Naturdämmstoffen sehr niedrig. Wenn neu gebaut wird, kann man mit Strohballen mit entsprechender Dicke eine sehr gute Dämmwirkung erzielen (0,049 W/(mK)).
Viele Naturdämmstoffe haben allerdings auch eine sehr gute Wärmespeicherfähigkeit. So können Naturdämmstoffe im Winter die Wärme speichern und im Sommer verhindern, dass die Hitze direkt an den Raum weitergeben wird (siehe Abb. 1).

Wärmespeicherfähigkeit von (natürlichen) Dämmstoffen DUH 2007 

Holzfaserdämmplatten Wärmedämmungswert zwischen (0,038 und 0,045 W/(mK)) sind für den sommerlichen Hitzeschutz sehr gut geeignet, um die Spitzen abzumildern und für ein angenehmes Klima im Sommer zu sorgen.

Fazit: Einige Naturdämmstoffe eignen sich als Dämmstoffe sehr gut und können mit den konventionellen Produkten durchaus mithalten.

Naturdämmstoffe keine erhöhte Brandgefahr

Vorurteil 2: Naturdämmstoffe = erhöhte Brandgefahr

In Deutschland gibt es sehr strenge Brandschutzvorschriften. Dafür gibt es folgende Kategorien:

  • A = nicht brennbar
  • B1 = schwer entflammbar
  • B2 = normal entflammbar
  • B3 = leicht entflammbar

Stoffe der Kategorie B3 dürfen bei Bauvorhaben nicht eingesetzt werden. Naturdämmstoffe erfüllen normalerweise die Kategorie B2 und sind für viele Einsatzzwecke beim Bau zugelassen. Die Angst, dass Holz- oder Strohdämmung schnell brennt, wurde von einigen Prüfstellen widerlegt.

Bei einer bauaufsichtlichen Prüfung konnte zum Beispiel eine strohgedämmte Außenwand mit beidseitigem Kalkputz dem Feuer über 90 Minuten standhalten und wurde damit der höchsten Feuerwiderstandsklasse zugeordnet (F90 „feuerbeständig“ nach DIN 4102-2) 2.

Fazit: Wenn zugelassene Naurdämmstoffe sachgemäß und nach geltenden Brandschutzvorschriften eingesetzt werden, gibt es keine erhöhte Brandgefahr.

Stockflecken entfernen

3. Vorurteil: Naturdämmstoffe schimmeln schnell

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass Naturdämmstoffe schnell schimmeln und lästige Stockflecken entstehen.

Wenn Sie tatsächlich Schimmel in Ihren Zuhause entdeckt haben, hilft Ihnen vielleicht der Blogbeitrag:
„1-2-3 schimmelfrei! Erste Hilfe bei Schimmelbefall. Wie Sie Schimmel entfernen.“

Schimmel entsteht, wenn Luftfeuchte nicht nach Außen gelangen kann oder feuchte Luft auf eine kalte Oberflächen trifft. Außerdem fühlen sich Schimmelpilze auf vielen Oberflächen wohl. Naturdämmstoffe werden von Schimmelpilzen nicht bevorzugt. Was ist nun der Vorteil von Naturdämmstoffen? Naturdämmstoffen können in der Regel erheblich mehr Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen als konventionelle Dämmstoffe, ohne ihre Dämmwirkung einzubüßen. Außerdem können sie Feuchtigkeit schnell wieder an die Oberfläche transportieren, wo sie wieder verdunstet wird. Das sorgt in Räumen für eine ausgeglichene Raumtemperatur, bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit. Bewohnern von Häusern, die mit Naturdämmstoffen gedämmt sind berichten häufig von einem besonders angenehmen Wohnklima. Schlussendlich lässt sich zusammen fassen: Wenn beim Einsatz von Naturdämmstoffen allgemeine bauliche Regeln befolgt werden, gibt es keine erhöhte Gefahr für Schimmel- oder Algenbildung.

Fazit: Wenn Naturdämmstoffe sachgerecht verbaut werden, gibt es kein erhöhtes Risiko für Schimmelbildung. Das Gegenteil ist bei vielen Anwendungen der Fall. So gibt es zum Beispiel eine bereits zugelassene und funktionierende Konstruktion einer Innendämmung der Außenwand mit Weichfaserplatten und Lehm, wobei keine Dampfbremse zum Einsatz kommt. Die Konstruktion funktioniert, weil der Holzfaserplatten aufnahmefähig für Feuchte ist, diese puffern und nach Außen weiterleiten kann. Dadurch bleibt die Konstruktion trocken und es kommt nicht zur Schimmelbildung. Konventionelle Dämmstoffe können für solche Konstruktionen nicht eingesetzt werden. Sie können die Feuchtigkeit nicht puffern und weiterleiten und würden schimmeln.

Quellen

1.) Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW): Technologien und Techniken zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch Wärmedämmstoffe, Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte –Anwendungen – Innovationen, Bericht FO-12/12, 2013 (FIW: Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen); Pfundstein, M.; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A. : Dämmstoffe. Grundlagen, Materialien, Anwendungen. Edition Detail, 1. Auflage 2007.

2.) Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis, iBMB/MPA – P-3048/817/08- MPA BS vom 08.12.2014.

3.) Deutsche Umwelthilfe (DHU) Naturdämmstoffe: Wider die falschen Mythen, Hintergrundpapier, 2016.